Das Glück der Hausfrau

Das Glück der Hausfrau

Regie: Simone Jung

DokuSerieTV

Deutschland 2011
2x45 Min.

More than Honey Die Guantanamo Falle

Im Auftrag von HR.

TV-Erstausstrahlung: 15.08.2011, ARD

Inhalt

Es war eine Frau, die bereits 1949 die Gleichberechtigung von Mann und Frau in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland schreiben lies, doch im Alltag – vor allem im Westen Deutschlands – war für diese Frauen die Gleichberechtigung noch weit entfernt. Die Mutterschaft wurde als größtes Glück der Weiblichkeit gepriesen, zugebilligt wurden dem Weib die Wirkungsstätten Heim und Herd. Einher ging damit, dass ihr zumindest die Werbeindustrie gerne die Intelligenz absprach. So hieß es in einer Reklame für Putzmittel aus den 50ern: „Hausputz mit guter Laune? Eine Wohltat für uns Männer.“ Das Gesetz erlaubte es dem Ehemann, seiner Angetrauten das Arbeiten zu verbieten; das Gesetz regelte ebenfalls, dass sie ihm jederzeit sexuell zur Verfügung stehen musste.

In der DDR hingegen war die Gleichheit von Frau und Mann selbstverständlich. Frauen arbeiteten und verdienten ebenso viel wie Männer auf der gleichen Position. Doch wer erledigte nach getaner Arbeit den Haushalt? Wer kochte und putzte? Oft waren es die Frauen, die dann in zweiter Schicht den Haushalt schmissen.
Schonungslos ehrlich und oft mit ironischer Distanz reflektieren die Frauen ihre jeweils ganz eigene, ideale Vorstellung von der Liebe, von der Ehe, von Familie und Status und wie sie dann die Wirklichkeit ihres Alltags als Hausfrau im Heim und am Herd einholte. Wenn Iris Bornmann davon erzählt, wie sie sich jahrelang den Wünschen der Schwiegereltern beugte, erschließt sich der Grad der Selbstentfremdung beider Geschlechter durch die Rollenbilder, die ihnen übergestülpt wurden. Erinnert Christa Hertzog ihre verzweifelten Versuche, der perfekten Ehefrau zu entsprechen, wird der gesellschaftliche Druck, der auf ihr und so vielen Frauen dieser Generation lastete, beklemmend nachvollziehbar.

Um den gesellschaftlichen Kontext der Zeit damals erfassen zu können, gewähren die Frauen Einblick in ihre Kindheit, die ersten Schritte aus dem Elternhaus oder von der Berufstätigkeit in den eigenen vier Wänden und der Fähigkeit, aus wenig viel zu machen. Denn ehe der Aufschwung Wohlstand brachte, mussten fast alle mit wenig Geld und spärlichen Zutaten Mahlzeiten zubereiten, ihre Kleider selber nähen oder bei der Wohnungseinrichtung improvisieren. So stellte Hildegart Scheit aus zwei Luftmatratzen zwei Sessel für ihre neue Einraumwohnung her, so kürzten Ingrid Schubert und ihr Mann die Ehebetten, weil sie in der winzigen Dachwohnung, die sie nach der Heirat bezogen, nur hintereinander aufgestellt werden konnten.

Liebevoll berichten die Frauen von den Freuden an der Entwicklung der Kinder, von der Anschaffung der ersten praktischen Haushaltsgeräte, die so viel Zeit einsparten, die dann aber gleich wieder futsch war, sie erzählen vom Glücksgefühl einer eigenen Familie und dass sie alles richtig und dem Mann zum Wohlgefallen machten. Doch nach Jahren der Hausfrauen- und Familienarbeit mit Kindergeschrei, Windelwaschen, mit mangelnder Wertschätzung und finanzieller Abhängigkeit wächst die Sehnsucht nach Anerkennung und nach etwas Eigenem. Dieser Sehnsucht gehen die Frauen auf ihre ganz persönliche Weise nach – durch den Wiedereinstieg in den Beruf, die Übernahme von Ehrenämtern oder eine neue Ausbildung – wodurch sich nicht selten auch das Verhältnis zwischen den Ehepartnern verändert; wie bei Iris Bornmann oder Christa Hertzog folgt manchmal auch ein radikaler Schnitt, die Scheidung.

Aufregend, den Frauen in ihre heute fast versunkenen Lebenswelten zu folgen. Denn was sie berichten, ist Teil unserer Prägung heute. Am Ende jedenfalls wird wohl niemand mehr der Ansicht sein, das bisschen Haushalt und Kindererziehung mache sich von allein. Weder damals noch heute.

Credits

Kamera: Beatrice Weineck
Schnitt: Simone Klier