Kulenkampffs Schuhe

Regie: Regina Schilling,

DokuFilmTV

Deutschland 2018

Mein Krieg Eldorado

Im Auftrag von SWR.

TV-Erstausstrahlung: 08.08.2018, SWR

Inhalt

Vor ein paar Jahren las ich, dass sich Hans-Joachim Kulenkampff an der Ostfront vier Zehen eigenhändig amputierte. Die Information ließ mich nicht los. Ich erinnerte mich an die vielen Samstag-Abende, die ich, als typisches Kind der 60er Jahre, frischgebadet und im Schlafanzug, mit meinem Vater EWG geschaut habe.

Kulenkampff als Soldat – daran hatte ich nie gedacht. Auch mein Vater war im Krieg gewesen, sprach aber nie darüber. Er war Jahrgang 1925, mit 18 an die Front, wollte Pilot werden, ist aber nie geflogen.

Nach der Kriegsgefangenschaft machte er eine Lehre als Drogist, der perfekte Beruf für Nachkriegsdeutschland. Saubermachen, aufräumen, heilen, für all das stand die Drogerie. Mein Vater war Teil des Wirtschaftswunders. Der Laden lief gut, er eröffnete eine zweite Drogerie.

So wie es mit der BRD bergauf ging, so prächtig entwickelte sich das deutsche Unterhaltungs-Fernsehen. Den Krieg und seine traumatischen Ereignisse zu vergessen, dazu waren die Showmaster angetreten, so scheint es mir heute. Seichte Unterhaltung um jeden Preis, keine Konflikte, keine Aufregungen, das war der Auftrag. Und keine Erinnerung an das 1000jährige Reich. Aber ging das überhaupt, verdrängen und vergessen?

Mein Vater starb an einem zweiten Herzinfarkt, als ich 11 Jahre alt war und hinterließ viele Fragen.

Dieser Film sucht nach Spuren des Krieges in den Shows von Kulenkampff, Hans Rosenthal und Peter Alexander. Alle drei gerieten blutjung in die Wirren des Krieges geraten, Kulenkampff und Alexander als Soldaten, Rosenthal als Jude, der mit unfassbar viel Glück mehrfach knapp der Deportation entronn. Der rote Faden ist die Geschichte meines Vaters. Er gehörte, wie die oben genannten Show/Quiz-Master, einer sehr besonderen Generation an: Erst missbraucht vom Nationalsozialismus, dann eingespannt in das Hamsterrad des Wiederaufbaus, der von Traumatisierungen nichts wusste, oder nichts wissen wollte.

 

News

Stand: Postproduktion

Kulenkampffs Schuhe

Ein Dokumentarfilm von Regina Schilling

So wie es mit der BRD in den 50er Jahren bergauf ging, so prächtig entwickelte sich das deutsche Unterhaltungs-Fernsehen. Den Krieg und seine traumatischen Ereignisse zu vergessen, dazu waren die Showmaster angetreten: Kulenkampff, Hans Rosenthal und Peter Alexander. Erst missbraucht vom Nationalsozialismus, dann eingespannt in das Hamsterrad des Wiederaufbaus, der von Traumatisierungen nichts wusste – oder nichts wissen wollte.

Credits

Buch und Regie: Regina Schilling

Montage: Jamin Benazzouz

Dramaturgische Beratung: Jutta Doberstein

Sprecherin: Maria Schrader

Musik: Wolfgang Böhmer

Tonbearbeitung / Mischung: Kai Tebbel

Recherche: Albert Kamps

Archivrecherche: Moni Preischl, Elizabeth Harris

Rechteklärung: Conny Ziller

Grafik: Mieke Ulfig

Bildtechnik: Stefan Engelkamp

Herstellungsleitung: Tassilo Aschauer

Produzent: Thomas Kufus

Redaktion: Simone Reuter (SWR), Sabine Mieder (HR)