Kulenkampffs Schuhe

Regie: Regina Schilling,

DokuFilmTV

Deutschland 2018

Mein Krieg Eldorado

Im Auftrag von SWR.

TV-Erstausstrahlung: 08.08.2018, ARD

Inhalt

Das Fernsehen in den 60ern und 70er Jahren der Bundesrepublik – goldene Zeiten, Einschaltquoten von 80 Prozent. Die Familie saß am Samstag abend im Wohnzimmer – das Kind frisch gebadet im Schlafanzug auf dem Wohnzimmerteppich, dahinter die Eltern, nicht weniger erwartungsvoll – und freute sich auf „Einer wird gewinnen“ mit Hans-Joachim Kulenkampff und die „Peter-Alexander-Show“.

Hans Joachim Kulenkampff und Peter Alexander waren die großen Fernseh-Helden der Familie von Regisseurin Regina Schilling (Jahrgang 1962). Und natürlich, etwas später, Hans Rosenthal und „Dalli Dalli“. Die Quizshows verhießen leichte Unterhaltung, Entspannung, heile Welt. Entspannung hatte Schillings Vater (Jahrgang 1925) nötig. Er arbeitete rund um die Uhr in seiner eigenen Drogerie. Eine Drogerie im Nachkriegs-Deutschland? Kaum etwas wurde mehr gebraucht: aufräumen, Wunden heilen, reparieren, saubermachen, Schädlinge bekämpfen.

Was sahen die Väter der Kinder, die da im Schlafanzug vor dem Fernseher saßen, in den Showmastern? Wussten sie, dass Kulenkampff (1921), sich an der Ostfront vier Zehen eigenhändig amputiert hatte? Fragten sie sich, ob Peter Alexander (1926) wohl auch bei der Hitlerjugend gewesen war ? Bei der Wehrmacht, in Kriegsgefangenschaft? Wie die meisten jungen Männer dieser Generation? Hatten sie davon gehört, dass Hans Rosenthal (Jg. 1925) jüdisch war und sich in den Kriegsjahren als Vollwaise in einer Berliner Laube versteckte und jeden Moment damit rechnen musste, deportiert zu werden? Die Showmaster gehörten wie Regina Schillings Vater einer sehr besonderen Generation an: Erst missbraucht vom Nationalsozialismus, dann eingespannt in das Hamsterrad der Nachkriegszeit, die von Traumatisierungen nichts wusste, oder nichts wissen wollte.

„Kulenkampffs Schuhe“, der vollständig aus Archivmaterial besteht, zeigt Nachkriegsgeschichte auf überraschende, ungewöhnliche und berührende Art und Weise: Anhand von zahlreichen Showausschnitten von damals, Interviews, privatem Super8-Material, historischen Dokumenten und Fotos eröffnet sich eine ganz neue Sicht auf das Unterhaltungsfernsehen der Bundesrepublik, das angetreten war, eine ganze Nation von ihren Kriegstraumata zu therapieren. Ein Film, der generationsübergreifend herausfinden möchte, wie wir wurden, was wir sind.

News

Stand: Postproduktion

Kulenkampffs Schuhe

Ein Dokumentarfilm von Regina Schilling

So wie es mit der BRD in den 50er Jahren bergauf ging, so prächtig entwickelte sich das deutsche Unterhaltungs-Fernsehen. Den Krieg und seine traumatischen Ereignisse zu vergessen, dazu waren die Showmaster angetreten: Kulenkampff, Hans Rosenthal und Peter Alexander. Erst missbraucht vom Nationalsozialismus, dann eingespannt in das Hamsterrad des Wiederaufbaus, der von Traumatisierungen nichts wusste – oder nichts wissen wollte.

Credits

Buch und Regie: Regina Schilling

Montage: Jamin Benazzouz

Dramaturgische Beratung: Jutta Doberstein

Sprecherin: Maria Schrader

Musik: Wolfgang Böhmer

Tonbearbeitung / Mischung: Kai Tebbel

Recherche: Albert Kamps

Archivrecherche: Moni Preischl, Elizabeth Harris

Rechteklärung: Conny Ziller

Grafik: Mieke Ulfig

Bildtechnik: Stefan Engelkamp

Herstellungsleitung: Tassilo Aschauer

Produzent: Thomas Kufus

Redaktion: Simone Reuter (SWR), Sabine Mieder (HR)